Stiftungsarten

Stiftungen des öffentlichen Rechts

Es gibt Stiftungen des Privatrechts und Stiftungen des öffentlichen Rechts. Letztere stellen neben den Körperschaften des öffentlichen Rechts (z.B. Gemeinden) und Anstalten des öffentlichen Rechts (z.B. Rundfunkanstalten) einen Organisationstyp öffentlich-rechtlicher juristischer Personen dar. Beispiele für Stiftungen des öffentlichen Rechts sind die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (ihr gehören Museen, Schlösser und Parks, z.B. Schloss Sanssouci) oder etwa die Conterganstiftung für behinderte Menschen, deren Zweck in der Unterstützung von Menschen liegt, die Schäden durch das Medikament Contergan erlitten haben.

Familienstiftungen

Eine der häufigsten privatnützigen Stiftungen ist die Familienstiftung. Die Definition des Begriffs „Familienstiftung“ ist im Stiftungszivilrecht und Stiftungssteuerrecht nicht einheitlich und auch im Einzelnen umstritten. Auch in den ländergesetzlichen Regelungen finden sich unterschiedliche Definitionen. Allgemein lässt sich sagen, dass Familienstiftungen rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts sind, die ausschließlich oder überwiegend dem Wohl der Mitglieder einer Familie dienen, sei es durch Gewährung von Zuwendungen oder durch Aufrechterhaltung einer Vermögensgesamtheit wie zum Beispiel einem Unternehmen. Stiftungen, zu deren Vermögen ein Unternehmen oder eine Beteiligung an einem Unternehmensträger gehört, werden allgemein als unternehmensverbundene Stiftungen bezeichnet, die von der privaten Familienstiftung zu unterscheiden sind. Familienstiftungen sind grundsätzlich nicht gemeinnützig. Die Einbringung des Stiftungsvermögens bei der Gründung ist grundsätzlich schenkungs- bzw. erbschaftssteuerpflichtig. Daneben unterliegen Familienstiftungen der sogenannten Erbersatzsteuer in der Weise, dass diese jeweils im Abstand von 30 Jahren auf Grund eines fingierten Erbfalls von der Stiftung erhoben wird. Der Steuersatz richtet sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis des nach der Stiftungsurkunde entferntesten Berechtigten zum Erblasser (Stifter).

Gemeinnützige Stiftungen

Das Finanzamt erkennt eine Stiftung als gemeinnützig an, wenn Satzung und tatsächliche Geschäftsführung der Stiftung den Anforderungen der §§ 51 ff. Abgabenordnung (AO) entsprechen, wenn die Stiftung also zum Zweck hat, einen oder mehrere der in § 52 AO aufgeführten gemeinnützigen oder mildtätigen Zwecke zu erfüllen, wie z.B. die Wohlfahrtspflege oder die Unterstützung bedürftiger Menschen. Gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Stiftungen sind von den meisten Steuern befreit. So sind bei der gemeinnützigen Stiftung die Errichtung sowie spätere Zustiftungen von der Erbschafts- beziehungsweise Schenkungssteuer befreit. Zuwendungen (Spenden und Zustiftungen) berechtigen den Spender oder (Zu-) Stifter darüber hinaus zum Sonderausgabenabzug. Für Spenden und Zustiftungen an rechtsfähige und treuhänderische Stiftungen gibt es - gegenüber Zuwendungen (Spenden) an andere gemeinnützige Einrichtungen - zusätzliche Höchstbeträge beim Sonderausgabenabzug.

Kirchliche Stiftungen

Eine Sonderform der rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts sind die kirchlichen Stiftungen, die der Verfolgung kirchlicher (= konfessioneller, nicht ökumenischer) Zwecke voraussetzt. Dazu zählen nicht nur kirchenspezifische Aufgaben wie die Seelsorge, die Verwaltung von Kirchenvermögen, die Versorgung von kirchlichen Amtsträgern u. a., sondern auch Tätigkeiten wie Erziehung, Unterricht und Fürsorge für Arme und Kranke, durch die die Kirchen mit dem Staat und anderen Einrichtungen in Konkurrenz treten. Ihre Anerkennung erfolgt ebenfalls durch die zuständige staatliche Behörde, die Aufsicht über sie obliegt nicht dem Staat, sondern ausschließlich der jeweils nach Kirchenrecht zuständigen Kirchenbehörde.

Unternehmensverbundene Stiftungen

Stiftungen, zu deren Vermögen ein Unternehmen oder eine Beteiligung an einem Unternehmensträger gehört, werden allgemein als unternehmensverbundene Stiftungen bezeichnet. Wird das Unternehmen selbst in der Rechtsform der Stiftung betrieben, bilden beide also rechtlich eine Einheit, spricht man von einer Unternehmensträgerstiftung. Hält die Stiftung lediglich Anteile an einer Personen- oder Kapitalgesellschaft spricht man von einer Beteiligungsträgerstiftung. Auch unternehmensverbundene Stiftungen können gemeinnützig sein, beispielsweise die Bertelsmann Stiftung. Die ausgeschütteten Erträge des Unternehmens dürfen dann ausschließlich für steuerbegünstigte Zwecke eingesetzt werden. Solche Stiftungen werden gelegentlich zur Regelung der Unternehmensnachfolge eingesetzt. Eine unternehmensverbundene Familienstiftung zur Lösung der Nachfolgeproblematik insbesondere auch für mittelständische Unternehmen interessant. Weitere Vorzüge sind etwa die Abwehr von unternehmerischen Haftungsrisiken, von Pflichtteils- und Zugewinnausgleichsansprüchen, sowie ggf. die Minimierung von Mitbestimmungsrechten. Steuerlich ist die Einbringung von Betriebsvermögen beziehungsweise von Kapitalanteilen in die Stiftung begünstigt. Familienstiftungen wie auch andere Stiftungen kommen inzwischen bei der Gründung von anderen Gesellschaften als juristischer Bestandteil dazu, so bei der Familienstiftung & Co. KG. Beispiel für unternehmensverbundene Stiftungen, die Anteile an Unternehmen halten, ist etwa die Bertelsmann-Stiftung, Beispiel für eine Stiftung, die ein Unternehmen selbst betreibt, ist die die Carl-Zeiss-Stiftung.

Privatnützige Stiftungen

Privatnützige Stiftungen sind ein Mittelding zwischen der gemeinnützigen Stiftung und der Familienstiftung. Möchte etwa ein Unternehmer für die Angehörigen seines Betriebes eine Sozialstiftung gründen, kann er dies nicht in der Form der gemeinnützigen Stiftung tun, da Gemeinnützigkeit die Förderung der Allgemeinheit und nicht eines begrenzten Personenkreises voraussetzt. Dies hat zur Folge, dass die privatnützige Stiftung steuerlich nicht begünstigt ist.

Gemeinschafts- und Bürgerstiftungen

Weit verbreitet sind auch Gemeinschaftsstiftungen. Diese Stiftungen werden nicht nur von einem Stifter, sondern von mehreren Stiftern gemeinsam mit Vermögen ausgestattet. Ihr Stiftungsvermögen wächst vor allem durch Zustiftungen. Daneben verwalten sie häufig von Dritten errichtete unselbstständige Stiftungen (nicht rechtsfähige Stiftung). Stiftungen, die sowohl Spenden und Zustiftungen entgegennehmen als auch Treuhandstiftungen verwalten, werden auch als Dachstiftungen bezeichnet. Gemeinschaftsstiftungen können unterschiedlichsten Zwecken gewidmet sein. Ein Beispiel für eine Gemeinschaftsstiftung ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.